Kurs «Fotografieren»

Das WAS und das WIE von Fotos – Gestaltungs-Tipps – Bildgestaltung im Sucher

Von Stefan Bucher

Titelbild Kurs «Fotografieren»

1. Worauf schaust du in Fotos?

In den Gratiszeitungen oder auf Internet-Nachrichtenseiten sehen wir jeden Tag eine Flut von Fotos.

So etwa auf der Seite «Bilder des Tages».

Quelle: http://issuu.com/blickamabend | «Blick am Abend» ePaper

Bist du interessiert am WAS?

Oder fasziniert dich das WIE?

2. WAS fotografieren?

Alles wurde schon einmal fotografiert. Und immer noch sind die Themen endlos:
Deine Freunde, Feste, H‰user, Autos, Sport, Tiere, Landschaft, etc.

Was dich interessiert und was du gerne hast, das willst du vielleicht auch fotografieren. Und so wird es dir dann auch Spass machen.

Du brauchst einfach zu leben, und das Leben schenkt dir Bilder. — Henri Cartier-Bresson

3. WIE fotografieren?

Auch hier sind die Möglichkeiten vielfältig und du kannst richtig kreativ sein: Alles von oben fotografieren, in Bewegung, hell oder dunkel, einzeln oder mit Wiederholung, schräg, schwarzweiss, mit Blitz etc.

Zum WIE schauen wir uns jetzt einige Gestaltungs-Tipps näher an.

Drittel-Regel

Quelle: photography101.org

Die Regel sagt, dass Bilder interessanter zum Anschauen sind, wenn das Hauptobjekt nicht genau in der Mitte ist.
Das gilt auch für starke Linien in einem Bild wie etwa der Horizont.

Im Beispiel oben sind Linien eingezeichnet, die das Bild in der Höhe und der Länge in Drei teilt. In vielen Kameras lassen sich solche Linien auf dem Display einblenden. Der Horizont liegt auf der Linie des unteren Drittels. Der Baum auf der Linie des rechten Drittels.

Auch bei Fotos von Menschen ist darauf zu achten. Wenn die Augen einer Person auf einem der Schnittpunkte liegt, ist das Bild interessanter.

Nebeneinanderstellung (Juxtaposition)

Quelle: http://www.flickr.com/photos/danorbit/346563918/ | (cc) danorbit

Bei diesem Trick geht es darum, den richtigen Blickwinkel zu suchen, so dass Gegenstände, die eigentlich weit auseinander liegen, nahe zusammen erscheinen.

Im Beispiel ist die Hand viel Näher bei der Kamera als der Eiffelturm. Im Bild sieht es so aus, als würde sie den Turm berühren.

Fotos sind spannend, wenn sich Gegenstände fast berühren.

Den richtigen Blickwinkel findest du, wenn du langsam um das Objekt herum gehst und von verschiedenen Positionen beobachtest, was ins Bild kommt. Lege dich auch einmal auf den Boden oder mache dich ganz gross. Manchmal sind es wenige Zentimeter nach links oder rechts, die eine Nebeneinanderstellung ergeben.

So lernst du, wie wichtig beim Fotografieren der Vordergrund und der Hintergrund sind.

Unscharfer Vorder- oder Hintergrund

Quelle: http://www.flickr.com/photos/iboy/5732739387/ | (cc) Ernst Vikne

Auch dieser Gestaltungs-Tipp ist ein Spiel mit Vordergrund und Hintergrund. Was ganz nahe an der Kamera ist und was weit weg ist, wird unscharf gemacht. Ganz scharf ist dann nur noch der wichtigste Gegenstand dazwischen.

Nicht mit jeder Kamera geht das so schön wie im Beispiel. Es braucht dazu ein gutes Objektiv. Und man muss spezielle Einstellungen machen können.

So bringst du einen unscharfen Vordergrund mit jeder Kamera hin: Stelle dich zum Beispiel hinter eine Hecke und lasse ein paar Äste noch ins Bild herein kommen. Da die Hecke sehr nahe an der Kamera (näher als die kürzeste Distanz für scharfe Fotos) ist und das Hauptobjekt weiter weg, werden die Äste unscharf werden. Gut funktioniert das auch mit einem Zaun oder auch mit einem Körperteil eines Menschen.

Wiederholung

Quelle: http://www.flickr.com/photos/lrargerich/3011415404/ | (cc) lrargerich

Mehrere Gegenstände, die sich wiederholen und gegen hinten immer kleiner werden, geben einem Foto viel Tiefenwirkung.

Im Beispiel wird die Wiederholung mit der Unschärfe kombiniert. Auf dem Titelbild dieser Kursunterlagen wird ebenfalls die Wiederholung angewendet.

Kontrast

Quelle: http://www.flickr.com/photos/nebelriss/4343795072/ | (cc) Michel.h

Quelle: http://www.flickr.com/photos/mc5/2549517632/ | (cc) 8#X

Kontraste ins Bild zu setzten heisst, mit Gegensätzen spielen.

Hierzu zwei Beispiele:

  • Im Bild a) ist es der Kontrast gross vs. klein.
  • Im Bild b) der Kontrast blau vs. gelb.

Auch dieser Gestaltungs-Tipp soll Spannung in die Fotos bringen.

4. Auf die Bildgestaltung kommt es an

Wenn du fotografierst, schaust du durch den Sucher deiner Kamera. Du siehst darin dein Bild. Dieses Bild kannst du gestalten wie es dir gefällt.

Stell dir vor, du schneidest das Rechteck mit einer Schere aus. Was du bekommst, ist ein Fenster. Durch dieses kannst du wie durch den Sucher der Kamera schauen.

Sucher
In der Vorstellung ausschneiden und durchschauen.

Das ganze Fenster ist dein Bild. Schau durch das Fenster, bis in jede Ecke hinein. Alles was du siehst, kommt auf das Bild. Du suchst dein Bild durch die Kamera.

Im Sucher der Kamera hat es oft in der Mitte einen Kreis oder ein Rechteck. Es dient zur Scharfeinstellung (Fokussierung). Diese Markierung in der Mitte des Suchers verleitet uns häufig dazu, dass wir das ganze Fenster nicht mehr anschauen. Wir zielen dann auf unser Objekt. Das Objekt ist dann auf dem Bild genau in der Mitte. Das Bild ist so aber nicht gestaltet.

5. Die Technik

In vielen anderen Fotokurs wird zuerst die Technik und der Umgang mit der Kamera gelehrt. Nicht in diesem Fotokurs. Ich versuche, deinen Blick ein bisschen zu schärfen, WIE du in die Welt schauen kannst und deine Sicht in Fotos festhalten kannst.

Die Technik kannst du in vielen Büchern oder Internetseiten nachlesen, in einem nächsten Fotokurs lernen oder sehr viel für dich alleine entdecken.

Ein Link, wo du beispielsweise mit Belichtungszeit und Blende herumspielen kannst, ist der Digitalkamera-Simulator.

Ich hoffe, du hast weiterhin viel Spass am Fotografieren.

6. Fotorundgang

Wir gehen alle an einen Ort und alle fotografieren die gleichen Gegenstände.

Überlege für dich alleine, WIE du den Gegenstand fotografieren willst.

Denke an die Gestaltungs-Tipps und suche mit der Kamera die richtigen Blickwinkel für deine Fotos.

7. Fotos auswählen – Fotobüchlein gestalten in «Word»

Mit den gemachten Fotos kannst du jetzt viele Dinge machen. Du kennst sicher die Fotoservices, wo man Vergrösserungen, Kalender, Tassen etc. machen lassen kann. Auch Fotobücher kann man sich leicht am Computer zusammenstellen und herstellen lassen.

Um deine Fotos auch deinen Freunden zeigen zu können, gestalten wir ein kleines Büchlein auf dem Computer im Programm «Word» (oder ein anderes Textprogramm). Aus dem Word-Dokument machen wir dann ein PDF. Dieses kannst du später ausdrucken, per E-Mail verschicken oder sogar ins Internet laden.

Die besten 6 Fotos auswählen

Das ist gar nicht so einfach, wenn du vielleicht 50 Fotos geknipst hast.

So machst du deine Auswahl am einfachsten:

  1. Erstelle einen neuen Ordner mit dem Namen «Auswahl»
  2. Lege ganz spontan von deinen Lieblingsfotos eine Kopie in den «Auswahl»-Ordner (es dürfen jetzt noch mehr als sechs sein)
  3. Gehe jetzt die Fotos im «Auswahl»-Ordner einzeln durch, entscheide, welche du doch noch rauswerfen kannst, bis du auf deinen 6 Fotos bist.

Was passt zusammen?

Zerbrich dir darüber den Kopf nicht zu sehr. Alle Fotos hast ja du gemacht, sie passen allein schon deshalb zusammen.

Was du bei der Auswahl doch eventuell noch beachten möchtest:

  • Erzählen die 6 Fotos eine Geschichte?
  • Sind es unterschiedliche Blickwinkel oder immer die gleichen?
  • Haben alle ähnliche Farben oder Formen?
  • Sind alle etwa gleich hell oder dunkel?

Word-Dokument mit 7 Seiten

Auf die Seite 1 kommt dein Name und vielleicht hast du schon einen Titel für dein Büchlein.

Auf die Seiten 2 bis 7 verteilst du deine Fotos, auf jede Seite ein Bild.

Jetzt können wir auch noch einige Anpassungen an den Fotos machen:

  • Bildausschnitt verändern
  • Helligkeit und Kontrast verändern
  • Farben stärker oder ein Schwarzweissbild machen
  • Grösse reduzieren

Word-Grafik-Tools

(In diesem Kurs machen wir diese Anpassungen alle in «Word». Noch viel mehr Möglichkeiten hast du in speziellen Bildprogrammen. Die bekanntesten sind: Photoshop, Lightroom, PaintShop oder iPhoto)

PDF hochladen auf «Issuu»

Aus dem Word-Dokument lässt sich einfach ein PDF machen. Das PDF-Format ist praktisch und wird auch von Profifotografen benutzt, um ihre Fotos anderen Leuten zu zeigen – entweder zum Verschicken per E-Mail oder auf einer Internet-Seite.

Eine Website, wo man PDFs hochladen und dann anderen Leuten zeigen kann ist «Issuu». Ich habe auf http://issuu.com/sogesehen ein paar solche Fotobüchlein, wie wir sie jetzt gemacht haben, zum Zeigen.

Issuu

Stefan Bucher, 2010 und 2011